{"id":6,"date":"2012-10-21T21:17:00","date_gmt":"2012-10-21T19:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p177080.webspaceconfig.de\/?page_id=6"},"modified":"2016-11-02T08:28:06","modified_gmt":"2016-11-02T07:28:06","slug":"spotlight","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/","title":{"rendered":"Spotlight"},"content":{"rendered":"<p>Seit vielen Jahren leite ich am Drummers Institute den Kurs &#8222;open class&#8220;. In diesem Forum beleuchte ich die verschiedensten Askpekte des musikalischen Schaffens, die nicht unmittelbar mit der Ausf\u00fchrung des Instrumentes zu tun haben. In diese Rubrik meiner homepage m\u00f6chte ich einige dieser Themen aufgreifen aber auch Fragen \u00a0beantworten, meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen wiedergeben, Denkanst\u00f6\u00dfe und nicht zuletzt Tipps f\u00fcr die Arbeit als professioneller Musiker geben.<\/p>\n<p>Gerne gehe ich auf Fragen und W\u00fcnsche ein und werde diese Rubrik &#8222;Spotlight&#8220; regelm\u00e4\u00dfig durch kleine Essays und Artikel erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p><strong>Kapitel\u00fcbersicht:<\/strong><br \/>\n<strong> <a title=\"1. Warum spiele ich keine Musicals mehr?\" href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/#musicals\">1. Warum spiele ich keine Musicals mehr?<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong> <a title=\"2. Wo liegt mein derzeitiger Fokus?\" href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/#focus\">2. Wo liegt mein derzeitiger Fokus?<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong> <a title=\"3. Was ist meine Erfahrung mit Dirigenten?\" href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/#dirigenten\">3. Was ist meine Erfahrung mit Dirigenten?<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong> <a title=\"4. Kann man heute \u00fcberhaupt noch mit Schlagzeug Geld verdienen? \" href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/#verdienen\"> 4. Kann man heute \u00fcberhaupt noch mit Schlagzeug Geld verdienen?<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong> <a title=\"5. Wie sollte man den optimalen Unterricht aufbauen?\" href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/#unterricht\"> 5. Wie sollte man den optimalen Unterricht aufbauen?<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong> <a title=\"6. Kann man mich als Mentor buchen?\" href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/index.php\/spotlight\/#buchen\"> 6. Kann man mich als Mentor buchen? <\/a> <\/strong><\/p>\n<p>Weitere Themen folgen:<br \/>\n7. Wo studieren und wie positioniert sich das Drummers Institute?<br \/>\n8. Woher nehme ich meine Inspiration?<br \/>\n9. Winston Churchills &#8222;Six Words of Success&#8220;<br \/>\nund Vieles mehr<\/p>\n<div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin: 5px 0; float: none; height: 100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><\/div>\n<p id=\"musicals\"><strong>1. Warum spiele ich keine Musicals mehr?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sollte man niemals \u201enie\u201c sagen, aber nach so einer langen Zeit in dunklen Orchestergr\u00e4ben oder auf Theaterb\u00fchnen \u2013 mit teilweise absurden Kost\u00fcmen (z.B. stinkende Kartoffels\u00e4cke bei \u201eNunsense\u201c oder abgerissenen Piratenklamotten mit schwarzer Schuhcreme im Gesicht bei \u201ePirates of Pensence\u201c) \u2013 muss es auch mal gut sein.<\/p>\n<p>Ich blicke mit Dankbarkeit zur\u00fcck, hatte eine gute Zeit, habe viel gelernt, viel an Professionalismus und Routine gewonnen, bin notenfest,\u00a0 Dirigat-erprobt und stilsicher geworden und habe nicht zuletzt auch einen Gro\u00dfteil meines Lebensunterhaltes mit Musicals verdient. Somit gibt es keinen Grund zur Klage oder nachtr\u00e4glicher H\u00e4me. Ich habe viel Gl\u00fcck gehabt, professionelle Produktionen spielen k\u00f6nnen und sehr viele nette und erstklassige Kollegen kennen gelernt und so viel gelacht, dass ich gerne an die Zeit zur\u00fcck denke.<\/p>\n<p>Wenngleich ich mich eigentlich stets durch die Musik einer bestimmten Show \u2013 sei es Rock, Pop, Swing, Orchester oder was auch immer \u2013 motivieren konnte, habe ich feststellen m\u00fcssen, dass ich zwar ein professioneller Schlagzeug-Dienstleister mit dem Bestreben die geringst m\u00f6gliche Fehler- und h\u00f6chste Groove-Quote zu erreichen geworden bin, aber in meiner Entwicklung musikalisch eher stagnierte.<\/p>\n<p>Meine Perspektive ist nach vorne gerichtet und es gibt vieles, was ich noch realisieren und umsetzen m\u00f6chte. Es war f\u00fcr mich von Beginn meiner Musicalt\u00e4tigkeit an klar, dass ich nicht noch im fortgeschrittenen Alter die 1000. Inszenierung von \u201eRocky Horror Picture Show\u201c in irgendeinem Theater dieser Region spielen werde und bin somit dankbar, den Absprung geschafft zu haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"musicals\" src=\"http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/musicals-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/p>\n<p>Zugegebenerma\u00dfen wurde der Absprung beg\u00fcnstigt von einer Personalpolitik vorzugsweise der gro\u00dfen Musicalbetriebe, die kaum die Leistung des einzelnen Theatermitarbeiters w\u00fcrdigt. Personalabbau und die Absicht die Anzahl der Orchestermusiker m\u00f6glichst klein halten \u2013 dabei kosteng\u00fcnstige Produktionen am liebsten mit Playbacks oder zumindest Mini-Orchester-Besetzungen zu spielen \u2013 wenn m\u00f6glich sogar auf der B\u00fchne in Kost\u00fcmen (sieht halt nach mehr aus) und ohne Sub-Option &#8211; all das stand in den letzten Jahren deutlich im Vordergrund. Offen gestanden hat mich auch sehr der Pseudo-Anspruch an musikalische Details und Kinkerlitzchen von vermeintlich wichtigen Menschen gest\u00f6rt, die nat\u00fcrlich ihre Daseinsberechtigung aus sich selbst generieren. Es werden Dinge mitunter dramatisiert, die im Gesamtbild einer Vorstellung komplett uninteressant sind (\u201edie Hi Hat muss auf \u201e4d\u201c mehr popflavour haben\u201c) \u2013 h\u00f6rt man dann das Endergebnis einer gro\u00dfen Show bleiben jedoch oft Fragen offen; um es mal vorsichtig auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Es ist im Grunde sehr traurig und meines Erachtens nach unklug das Publikum f\u00fcr horrende Eintrittspreise in die Theater zu locken und auf der anderen Seite eine Preis- und Lohnpolitik der Mitarbeiter zu betreiben, die der Arbeitsleistung und dem Einsatz der einzelnen Mitarbeiter nicht entspricht. Dies mag noch eine Weile bei vereinzelten Produktionen gut gehen, ist aber auf Dauer nicht tragbar.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch auch H\u00e4user und Produktionsst\u00e4tten an die ich gerne zur\u00fcckdenke und sicher auch gegebenenfalls wieder zur\u00fcckkehren w\u00fcrde, da Musiker mit Respekt und angemessener Wertsch\u00e4tzung behandelt wurden.<\/p>\n<p>F\u00fcr gute und gelungene Inszenierungen und gut gespielte Musik empfehle ich daher in jedem Fall auch einen Besuch in der Oper oder in Stadttheatern! Hier wird oft eine hohe Qualit\u00e4t auch f\u00fcr Kinder und Jugendliche geboten und \u2013 bedingt durch die Subventionen \u2013 ein moderater Eintrittspreis verlangt. Aber auch hier wird gespart was das Zeug h\u00e4lt; es werden Etats gestrichen, es m\u00fcssen Theater fusioniert werden und man \u00fcberpr\u00fcft\u00a0 st\u00e4dtische Theater auf ihre Wirtschaftlichkeit; ein sicherlich nicht grundfalscher Gedanke \u2013 auch hier sollte kein Geld aus dem Fenster geworfen werden. Theater haben jedoch einen anderen kulturellen Auftrag als ein gro\u00dfes Warenhaus \u2013 sollte doch hier der Bildungsauftrag und die Erhaltung kulturellen Schaffens im Mittelpunkt stehen. Es wird vor allem dann absurd, wenn man sich beispielsweise ansieht, dass die Sanierung eines Landtages f\u00fcr 4,5 Millionen Euro durchgewunken wird oder der Flughafen Berlin f\u00fcr mal eben von 2,4 auf 4,5 Milliarden Euros hochschnellt. Ein Theater kann jedoch ohne seinen F\u00f6rderverein nicht bestehen. Ich finde diesen Zustand unmoralisch.<\/p>\n<p>Daher danke ich f\u00fcr eine sch\u00f6ne Zeit, dr\u00fccke allen Kollegen und Freunden der Theaterbetriebe die Daumen und widme mich nun meinen neuen Projekten und Zielen!<\/p>\n<p id=\"focus\"><strong>2. Wo liegt mein derzeitiger Fokus?<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0Im <a title=\"Band-House\" href=\"http:\/\/www.band-house.com\" target=\"_blank\">Band-House<\/a> gibt es naturgem\u00e4\u00df immer viel zu tun: es gibt dort immerhin vierzig Prober\u00e4umen sowie derzeit zwei &#8211; ab April drei &#8211; vollst\u00e4ndig mit Backline ausgestattete Prober\u00e4ume, die man stundenweise anmieten kann, wir haben das <a title=\"Eric Harings\" href=\"http:\/\/www.ericharings.de\" target=\"_blank\">Tonstudio<\/a> von Eric Harings im Haus und nicht zuletzt das <a title=\"Drummers Institute\" href=\"http:\/\/www.drummers-institute.com\" target=\"_blank\">Drummers Institute<\/a>. All das will verwaltet werden und bedeutet f\u00fcr mich, immer ein Auge darauf zu haben, dass das Projekt l\u00e4uft und wir der Nachfrage und den Musikern und Musikerinnen gerecht werden, die das Angebot nutzen.<\/p>\n<p>Dennoch bem\u00fche ich mich nach 25 Jahren Drummers Institute und meinem bewusst reduzierten Einsatz als Theater- und Musicaldrummer, einen neuen Weg zu mir selbst zu finden. Mein Fokus liegt nun darin, meiner musikalische Kreativit\u00e4t freien Lauf zu geben. Dies versuche ich einerseits in meinem Studio, andererseits m\u00f6chte ich wieder mehr ausgesuchte Projekte live spielen und nicht zuletzt Musikst\u00fccke arrangieren und mich an Kompositionen wagen. Ich habe viele Ideen!<\/p>\n<p>Gerne nehme ich die Einfl\u00fcsse klassischer Musik oder Weltmusik auf. Ein gro\u00dfes Vorbild ist f\u00fcr mich Peter Gabriel, der mit seinem &#8222;New Blood Orchester&#8220; wie immer neue Wege geht und neue Soundkonzepte beschreitet, die mich nachhaltig beeindrucken.<\/p>\n<p>Ich versuche also in meinem Studio ein f\u00fcr mich neues Format zu finden, meine musikalischen Ideen und Visionen umzusetzen und dies nicht zuletzt \u00fcber diese Seite zu publizieren.\u00a0Es bleibt spannend!<\/p>\n<p id=\"dirigenten\"><strong>3. Was ist meine Erfahrung mit Dirigenten?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber dieses Thema lie\u00dfe sich wohl das ein oder andere Buch schreiben &#8211; genau genommen hatte ich dies schon zu meinen Hoch-Zeiten im Musical- und Theaterbetrieb vor, hatte nur leider nicht die Zeit dazu. Kurz: wir sind alle nur Menschen &#8211; auch ein Dirigent. Es gibt zugegebener Ma\u00dfen auch besondere Menschen wie Karajan, Leonard Bernstein, Furtw\u00e4ngler oder der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle &#8211; \u00fcbrigens von Hause aus ein Schlagzeuger; das l\u00e4sst hoffen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2489\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Simon-Rattle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2489\" class=\"size-medium wp-image-2489 \" title=\"Simon Rattle\" src=\"http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Simon-Rattle-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Simon-Rattle-300x199.jpg 300w, http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Simon-Rattle-451x300.jpg 451w, http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Simon-Rattle.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2489\" class=\"wp-caption-text\">Simon Rattle GMD Berliner Philharmoniker copyright Monika Rittershaus<\/p><\/div>\n<p>Aber im Ernst: auf den Schultern von einem Dirigenten lasten wirklich vielf\u00e4ltige und verantwortungsvolle Aufgaben, die ihm oder ihr nicht nur fachliche, sondern auch menschliche Qualit\u00e4ten abverlangen. Nun ist mir in meiner Laufbahn als schlichter Theatertrommler schon so einiges abverlangt worden: vorm Beat spielen, hinterm Schlag spielen, mit Click, ohne Click, mit Click langsamer werden, mit Click schneller werden, schleppende Balladen, treibende 60\u00b4er Jahre Jazzrock Lieder, mit gro\u00dfem Orchester, mit kleiner Rockband, eine Sequencer-Kette mit Drum Loops und Keyboards on cue zu starten aber eine Achtel sp\u00e4ter als der Downbeat \u00a0&#8211; die Liste liesse sich unendlich fortsetzen. All dies steht und f\u00e4llt mit einem gutem Dirigenten.<\/p>\n<p>Nun sitzen wir am Schlagzeug auf einem wirklichem &#8222;Hot Seat&#8220;, bei dem es gilt, ruhige Nerven zu bewahren. Mein Lehrer Steve Houghton pflegte zu sagen: &#8222;if you make a mistake, make it loud&#8220; und dies gilt sicher auch f\u00fcr das Schlagzeug, wobei man durchaus lernt, kleinere Schwankungen bzw. ein gewisses Fehlerpotential zu umspielen, so dass die Show l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Ich sehen mich als Schlagzeuger neben dem ersten Keyboard, vielleicht der ersten Trompete und ersten Geige als unmittelbare Schnittstelle zur Band oder zum Orchester und muss &#8222;kam\u00e4leonartig&#8220; die Bewegungen und Intentionen eines Dirigenten umsetzen, f\u00fchlen &#8211; im Grunde voraussehen. Es ist eine hohe Sensibilit\u00e4t auch f\u00fcr gewisse Situationen und Umst\u00e4nde gefragt, die ebenso ein hohes Ma\u00df an Konzentration und \u00dcberblick erfordert; dies schlie\u00dft aber nicht aus, entspannt zu sein, Musik zu machen und seinen Spa\u00df zu haben. &#8222;Ultimate concentration&#8220; &#8211; auch dies ein Ausspruch von Steve Houghton -und konstantes Arbeiten ist gefragt; auch an schlechten Tagen d\u00fcrfen keine Fehler passieren, die Show muss rollen und ich sollte dem Dirigenten seine Arbeit leicht machen.<\/p>\n<p>Letzteres ist jedoch auch von einem Dirigenten mir bzw. dem Orchester gegen\u00fcber zu erwarten. Auch wenn es in seiner oder ihrer Verantwortung liegt &#8222;den Laden zusammen zu halten&#8220; und auch auf die Neurosen &#8211; oder besser W\u00fcnsche und Vorstellungen &#8211; der Darsteller eingehen zu m\u00fcssen, so ist ein guter Dirigent ein Dirigent, der die Musiker spielen l\u00e4sst, in seinem Metier und in dem Werk sicher ist, dabei eine unausgesprochene freundliche Autorit\u00e4t besitzt, so dass jeder sein Bestes gibt, ohne verkrampft zu sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_2491\" style=\"width: 229px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Bernstein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2491\" class=\"size-medium wp-image-2491 \" title=\"Bernstein\" src=\"http:\/\/wordpress.p177080.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Bernstein-219x300.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Bernstein-219x300.jpg 219w, http:\/\/janrohlfing.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Bernstein.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2491\" class=\"wp-caption-text\">Leonard Bernstein picture by Paul de Heuck<\/p><\/div>\n<p>Es hei\u00dft zwar, dass Fehler menschlich aber unprofessionell seien, aber jedem &#8211; auch einem Dirigenten &#8211; unterlaufen im Laufe seines Lebens mehr oder weniger ins Gewicht fallende Fehler. Ich bem\u00fche mich zwar immer, eine Show fehlerlos und mit einem hohen Spa\u00df- und Groove-Faktor zu spielen, bin aber immer irritiert, wenn es zu cholerischen Ausf\u00e4llen seitens eines Dirigenten kommt, wenn beispielsweise ein kleiner Abschlag am Ende einer Nummer nicht 100%tig zusammen ist (tats\u00e4chlich vorgekommen bei einem Sub von mir, der darauf hin verst\u00e4ndlicherweise die Show nicht mehr spielen wollte).\u00a0Also: sein Handwerk auf beiden Seiten verstehen und menschlich bleiben, sollte die Devise sein.<\/p>\n<p>Ohne hier eine Doktorarbeit schreiben zu wollen, m\u00f6chte ich abschlie\u00dfend noch kurz erw\u00e4hnen, dass es ausschlaggebend ist, was f\u00fcr einen musikalischen Background der Dirigent besitzt (Klassik, Pop oder &#8222;Self-made&#8220;), in welchem Genre wir uns befinden (Klassisch, Pop, Operette, Swing, Musical etc.) und nicht zuletzt, in welcher Besetzung ich spiele (Rock Band, gro\u00dfes Sinfonieorchester, Big Band, Musical Band mit Streichern).<\/p>\n<p>Wann muss ich auf den Schlag spielen? Das bedeutet, dass der Dirigent im &#8222;Pop-Sinne&#8220; die &#8222;Eins&#8220; nach unten abschl\u00e4gt und ich somit durchaus F\u00fchrungsqualit\u00e4ten aufgreifen muss, indem ich den Schlag und damit auch die Band oder das Orchester mit klaren Downbeats nach vorne ziehe.<\/p>\n<p>Wann muss ich im klassischem Sinne &#8222;gro\u00df&#8220; spielen. Das bedeutet, organisch das Orchester und die Streich- und Blasinstrumente als Ganzes zu erfassen &#8211; somit mit dem Orchester den Puls nicht direkt sondern indirekt aufzufassen; entweder ist der Dirigent mit der &#8222;Eins&#8220; oben oder sein Dirigat ist ebenso im Fluss und deutet mehr auf die Interpretation des Werkes als auf einen strengen Beat hin.<\/p>\n<p>Diese beiden Interpretationsformen k\u00f6nnen auch durchaus innerhalb einer Komposition vorkommen, in der ein eher lyrischer Teil im Wechsel mit starken Akzenten aufgrund einer B\u00fchnenaktion oder Komposition zu spielen ist.<\/p>\n<p>Alles in allem spiele ich sehr gerne mit Dirigenten und habe gro\u00dfen Respekt vor deren \u00dcberblick und K\u00f6rpersprache. Ich habe viel gelernt durch das Spielen nach Dirigat und verstehe mich oft auch in meiner Rockband als Dirigent, der durch K\u00f6rpersprache und &#8222;Schwingungen&#8220; daf\u00fcr verantwortlich ist, dass gute Musik entsteht und dies zum Publikum transportiert wird.<\/p>\n<p id=\"verdienen\"><strong>4. Kann man heute \u00fcberhaupt noch mit Schlagzeug Geld verdienen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0Diese Frage ist heutzutage nicht so einfach zu beantworten. Die Musikszene hat sich grundlegend \u2013 und leider nicht unbedingt zum Vorteil \u2013 ver\u00e4ndert. Durch das Internet ist die Schallplattenindustrie im Grunde v\u00f6llig aus den Fugen geraten, wodurch Einnahmen durch Tontr\u00e4gertantiemen f\u00fcr eine aufstrebende Band so gut wie ausgeschlossen sind. Die Gagen f\u00fcr Konzerte sind nicht nur durch die Einf\u00fchrung des Euros in vielen F\u00e4llen fast halbiert worden, sondern auch durch K\u00fcrzungen im Kulturwesen von Veranstaltern nicht mehr zu finanzieren. Jugendliche verbringen heute mehr Zeit mit Facebook und \u00e4hnlichen sozialen Netzwerken als beispielsweise auf Konzerte zu gehen; auch bestehen sogenannte Bands bei den namhaften Castingshows nicht mehr aus einer Liveband sondern nur noch aus einem S\u00e4nger- oder S\u00e4ngerinnen-Ensemble mit oft zweifelhaften Talent. Es ist ein deutlicher R\u00fcckgang derer zu verzeichnen, die Hausmusik betreiben \u2013 ob im Klassischen oder im Rockmusik-Sinne. Die Stellen in Orchestern oder Theater- bzw. Musicalbetrieben sind rar \u2013 gerade f\u00fcr Schlagzeuger oft auch nur pro Orchester auf wenige Positionen beschr\u00e4nkt; andererseits ist das Niveau der jungen ausgebildeten Musiker im klassischen Bereich beachtlich und \u2013 auch dies muss erw\u00e4hnt sein \u2013 die Gagen auch durch die vielen arbeitssuchenden Kollegen aus dem osteurop\u00e4ischem Bereich ziemlich bescheiden.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund kann ich mir in meinen Kursen den Kommentar nicht verkneifen, dass die Welt keinen neuen Schlagzeuger braucht. Durch diesen bewusst provokant\u00a0 vorgebrachten Ausspruch, m\u00f6chte ich meine Sch\u00fcler und Studenten jedoch eher wachr\u00fctteln als frustrieren. Grunds\u00e4tzlich bin ich der Meinung, dass es immer Platz f\u00fcr einen weiteren Musiker gibt, der das n\u00f6tige Know-how sowie \u00fcber die notwendige Intelligenz verf\u00fcgt, sich heute als Musiker zu behaupten.<\/p>\n<p>Denn ja: man kann mit Musik Geld verdienen. Selbstredend muss ein Schlagzeuger sein Instrument in allen Facetten beherrschen \u2013 dies reicht aber nicht aus. Er sollte ebenso \u00fcber Kenntnisse in der Harmonielehre verf\u00fcgen &#8211; im Idealfall Klavier bzw. Keyboard und ein Saiteninstrument spielen -, er sollte Arrangieren und Komponieren k\u00f6nnen, er muss sich im Bereich Recording bestens auskennen und stets \u201eupdaten\u201c, nat\u00fcrlich muss ein Musiker heutzutage im Internet flexibel sein und sich in entsprechenden Foren und sozialen Netzwerken platzieren k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus ist eine soziale Kompetenz, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, ein hohes Ma\u00df auch an musikalischer Flexibilit\u00e4t und nicht zuletzt kaufm\u00e4nnisches Wissen unabdingbar. Ein wacher, positiver Geist, der sich auch in schlechten Zeiten nicht unterkriegen l\u00e4sst, sondern l\u00f6sungsorientiert nach vorne denkt ben\u00f6tigt viel Kraft und sollte auch durch geistige und k\u00f6rperliche Schulung \u2013 beispielsweise Meditation oder Yoga \u2013 trainiert werden.<\/p>\n<p>All dies schlie\u00dft nicht aus, dass man in gewissen Lebensphasen auch ein wenig Gl\u00fcck haben muss, im richtigen Moment am richtigen Platz zu sein. Dies hei\u00dft aber nicht, dass man dem Gl\u00fcck nicht ein wenig auf die Spr\u00fcnge helfen kann; beispielsweise w\u00e4hrend der Ausbildungs- und Gr\u00fcnderphase viel unter Leute zu gehen, sich mit Musikern auszutauschen und viel zu Musizieren. In sp\u00e4teren Lebensphasen kann dies bedeuten basierend auf fr\u00fcheren Erfahrungen, gewisse Situationen und Umgebungen zu meiden und Entwicklungen zu unterbinden, die einem seelisch oder k\u00f6rperlich an die Substanz gehen.<\/p>\n<p>Es ben\u00f6tigt viel Disziplin, Flei\u00df und Durchsetzungsverm\u00f6gen \u2013 im Idealfall unterst\u00fctzt durch das Elternhaus \u2013 eine musikalische Karriere aufzubauen. Es stellt sich die Frage, ob dies nicht in jedem selbstst\u00e4ndigen Beruf der Fall ist; Musiker sind hier jedoch besonders angreifbar und verletzlich, da sie ihr eigenes Produkt darstellen, welches an den Mann oder an die Frau gebracht werden muss. Somit bin ich pers\u00f6nlich angreifbar in dem Moment in dem Kritik an meinem Spiel ge\u00e4u\u00dfert wird \u2013 und man muss es aussprechen: wir k\u00f6nnen nicht jedem Bandleader oder Orchesterleiter gefallen &#8211;\u00a0 und muss lernen, wie ich hiermit umzugehen habe. Der gro\u00dfe Jazztrompeter Dizzy Gillespie hat einmal gesagt, dass wir unserem Anspruch immer hinterher sein werden und letztlich nie ans Ziel unserer musikalischen M\u00f6glichkeiten kommen! Wenn wir das einmal erkannt haben und Kraft aus der Sache selbst sch\u00f6pfen, kann Musik immer wieder ein neues Lebenselixier sein. Und genau das brauchen wir, um professionell auf Dauer bestehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich rate also jedem jungen Musiker, die Sache ernst zu nehmen. Das Studium des Instrumentes Schlagzeug \u2013 bzw. der Instrumente schlie\u00dfe ich ein Harmonieinstrument mit ein \u2013 muss der 100% tige Fokus der Lehrjahre sein. Hierzu geh\u00f6rt eine stetige Reflexion und eine klare Linie. Letzteres muss nach dem Studium vorgezeichnet sein: wie stelle ich mich nach meinem Abschluss auf? Wohin geht die Reise? Abgesehen von Bewerbungen bei Orchesterbetrieben, Vorspielterminen, Band-Auditions, Professionalisierung eines bereits bestehenden Bandprojektes, Gr\u00fcndung einer Produktionsfirma mit dem Schwerpunkt eines wie auch immer gearteten aktiven Musikerpools, gibt es zahlreiche M\u00f6glichkeiten, um einen Start in die Musikerwelt zu wagen. Die meisten der Absolventen unserer Studieng\u00e4nge des Drummers Institute haben tats\u00e4chlich ihren Platz gefunden und verdienen ihr Geld mit dem Musizieren; ich m\u00f6chte jedoch ausdr\u00fccklich davor warnen, blind ins Unterrichtsgesch\u00e4ft einzusteigen \u2013 nur aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus. Verst\u00e4ndlicherweise ist das Unterrichten der erste Schritt bei fast allen Musikabsolventen; es ist jedoch immer zu bedenken, dass ich der Sache und dem Menschen \u2013 also hier dem Sch\u00fcler \u2013 gerecht werden sollte. Es muss sich also jeder die Frage stellen, ob er \u00fcber das n\u00f6tige Fachwissen verf\u00fcgt &#8211; oder dem Sch\u00fcler lediglich ein bis zwei Stunden voraus ist \u2013 und ob er \u00fcber die notwendige Empathie und didaktischen F\u00e4higkeiten verf\u00fcgt. Letztlich ist auch zu bedenken, dass eine zu hohe Anzahl von Sch\u00fclern (es gibt Absolventen unserer Schule, die bis zu 50 Sch\u00fcler in der Woche haben!), der eigenen Kreativit\u00e4t und Spielfreude nicht zutr\u00e4glich sind und kaum Spielraum f\u00fcr die pers\u00f6nliche Weiterentwicklung bleibt.<\/p>\n<p>Kurzum: es ist kein leichtes Unterfangen und bedarf einer sorgf\u00e4ltigen Pr\u00fcfung und regelm\u00e4\u00dfigen Reflexion sich im heutigen Musikgesch\u00e4ft zu behaupten. Wer aber hier seine \u201eBerufung\u201c sieht und \u00fcber die notwendigen Talente verf\u00fcgt, der wird sicher seinen Weg gehen.<\/p>\n<p id=\"unterricht\"><strong>5. Wie sollte man den optimalen Unterricht aufbauen?<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen mehr als 35 Jahren meiner Unterrichts- und Lehrt\u00e4tigkeit, hat sich bei mir ein gewisses Bild und eine Vorstellung von dem herauskristallisiert, was einen guten Unterricht ausmacht. Ich habe nat\u00fcrlich \u2013 wie viele meiner Kollegen \u2013 seit Beginn meiner Schlagzeugkarriere beide Seiten kennengelernt: die Seite des Lernenden sowie die Seite des Lehrenden; wobei meine pers\u00f6nliche Motivation stets darin besteht, durch das Unterrichten dazu zu lernen und mich weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p>Der wesentliche Kern des Unterrichtens entspringt f\u00fcr mich genau aus dieser Motivation: es geht um die Sache und darum, auch als Lehrender nicht auf der Stelle zu treten, sondern stets auch von den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen zu lernen. Wie bereits in einem vorigen Artikel erw\u00e4hnt, darf die Motivation f\u00fcr das Unterrichten nicht aus rein monet\u00e4ren Gr\u00fcnden her r\u00fchren \u2013 sondern es geh\u00f6rt ein hohes Ma\u00df aus intrinsischer Motivation, ein hohes Ma\u00df an Fachkenntnis sowie eine hohes Ma\u00df an Empathie dazu.<\/p>\n<p>Ich habe vor 25 Jahren das Drummers Institute genau aus diesem Grund gegr\u00fcndet: ich wollte mir ein kreatives und inspirierendes Umfeld f\u00fcr meine Musik schaffen und hier mit gleichgesinnten Sch\u00fclern und Lehrern ein positives Grundverst\u00e4ndnis schaffen; wobei mich immer besonders die Sprache Musik als globale Kommunikationsform fasziniert hat. Meiner Ansicht nach hat sich das Drummers Institute nicht zuletzt aus diesem Grund so lange halten k\u00f6nnen \u2013 schlicht aus der Authentizit\u00e4t, die sich durch das Umfeld und dem gemeinsamen Schaffen der Dozenten und Sch\u00fcler sowie meiner Person darstellt.<\/p>\n<p>Ob in Form eines Kursunterrichtes oder in Form von Einzelunterricht, f\u00fcr mich steht das Individuum des Sch\u00fclers und die eigentliche Kernfrage, warum der Sch\u00fcler \u00fcberhaupt zu mir gekommen ist, im Vordergrund. Ich halte stets Einzelgespr\u00e4che und versuche ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Motivation des Sch\u00fclers zu bekommen; hierbei steht das jeweilige Niveau bzw. stehen die Vorkenntnisse nicht unmittelbar im Mittelpunkt. Wie alt ist der Sch\u00fcler, ist er bereits berufst\u00e4tig und m\u00f6chte sich weiterbilden, seinen Traum verwirklichen, eventuell sogar aus seinem Job aussteigen \u2013 oder ist es ein Student, der nach der Schulzeit professionelle \u00a0Ambitionen aufzeigt, aber nicht ganz klar in seiner Vorstellung ist, wie er seinen Weg beschreiten soll? Es gibt mannigfaltige Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Sch\u00fcler, zum Drummers Institute oder zu mir zu kommen. Oft steht wesentlich mehr dahinter als einfach nur besser Schlagzeug spielen zu wollen; beispielsweise h\u00f6re ich so manches mal in den Zwischent\u00f6nen, dass der Sch\u00fcler es Anderen \u2013zum Beispiel seinen Eltern oder seinem Partner oder gar seinen Kindern \u2013 zeigen will. Er will beweisen, dass er was drauf hat, sich abhebt von Anderen und auch im Kreise seiner Kollegen eine besondere Stellung einnehmen. Nun bin ich wahrlich kein Psychologe, aber ich habe ein gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass wir alle nicht mehr und nicht weniger anstreben, als unser Seelenheil. Und was liegt hier n\u00e4her, als dies durch das zweit\u00e4lteste Instrument der Welt \u201e die Trommel\u201c zu erlangen. Durch das Trommeln k\u00f6nnen wir uns \u2013 und ich spreche hier durchaus auch von den Schamanen, Heilern und beispielsweise einer kubanischen bzw. west-afrikanischen Santeria &#8211; in einen anderen Bewusstseinszustand bringen.\u00a0 Es spricht direkt unser vegetatives Nervensystem und unsere Chakren an und es wird schnell klar, dass es bei dem Erlernen des Schlagzeugspielens um mehr geht als um Rudiments oder darum den kleinen Finger der linken Hand am Stock zu lassen.<\/p>\n<p>Diese Gedanken und das Wissen darum, dass es um das Individuum geht, sind f\u00fcr mich das ausschlaggebende Element f\u00fcr den Unterricht. Oft wei\u00df der Sch\u00fcler gar nicht, um was es eigentlich geht \u2013 woher auch; er verf\u00fcgt jedoch \u00fcber ein Gef\u00fchl oder eine Art Urinstinkt, dass hier etwas verborgen liegt, was es heraus zu finden gilt.<\/p>\n<p>Als Lehrer muss ich also ein Gef\u00fchl f\u00fcr den Sch\u00fcler entwickeln, der vor mir sitzt und dem gegen\u00fcber ich ein hohes Ma\u00df an Verantwortung trage. Dieses Ma\u00df an Verantwortung gilt es nun in Einklang zu bringen mit dem Ma\u00df an Verantwortung der Sache \u2013 also der Musik gegen\u00fcber. Das Wissen um den immensen Reichtum der Musik in der Welt, der auch mich immer wieder befl\u00fcgelt, muss nun wohl dosiert \u2013 wenn es sein muss auch provozierend \u2013 dem Sch\u00fcler er\u00f6ffnet werden. Gerne stelle ich dem Rockdrummer die Spielweise von Elvin Jones dar um \u00fcber Led Zeppelins John Bonham den Weg f\u00fcr einen fetten Bassdrum Sound oder die Triolen Fills zu erkl\u00e4ren. Ebenso ist es durchaus spannend von Max Roach, Aaron Copland oder Stravinski den Weg zu motivischen Drum Soli \u2013 auch \u00fcber Ostinati &#8211; beispielsweise eines Terry Bozzio oder Mike Portnoy zu gehen. Es gibt zahllose Beispiele \u2013 die Triolen Independence von Jimmy Cobb mit Wes Montgomery und deren exakt gleiche Anwendung bei Dennis Chambers oder Simon Phillips &#8211; , wie ich Sch\u00fcler \u201ewachr\u00fctteln\u201c kann, um die Vielschichtigkeit der Musik darzustellen und vor allem um Barrieren zu brechen.<\/p>\n<p>Ich bem\u00fche mich also im Unterricht wohldosiert ein wenig von dem preiszugeben, was ich selbst erfahren habe und wodurch ich Kraft sch\u00f6pfe. Dies setzt selbstverst\u00e4ndlich ein hohes Ma\u00df an Fachkenntnis und \u00dcberblick voraus, dem ich versuche stets gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Auch wenn ich kein studierter Fachdidakt bin, ist es einleuchtend, dass eine Unterrichtsstunde eine gewisse Dramaturgie verfolgen muss. Ein Unterricht hat zum Beispiel p\u00fcnktlich anzufangen; hier bin ich besonders pingelig, da ich Vorbildfunktion habe, den Sch\u00fcler hierdurch \u2013 wenn \u00fcberhaupt n\u00f6tig \u2013 zu p\u00fcnktlichem Erscheinen auffordere, aber auch die wertvolle Zeit des Sch\u00fclers genau so wenig unn\u00f6tig in Anspruch nehmen m\u00f6chte, wie ich es auch andersherum erwarte. Das Zeitma\u00df einer Unterrichtsstunde \u2013 seien es 45, 60, 120 oder gar 180 Minuten habe ich als Lehrer stets im Auge zu haben, so dass mir der Bogen gut gelingt. Nach einem kurzem Vorgespr\u00e4ch gehen wir in die Wiederholung der vorhergegangen Stunde \u2013 sollte es sich um die erste Stunde handeln, nehme ich eine Art Anamnese bei einem Privatstunde oder einer Einf\u00fchrung in das zu behandelnde Thema bei einem Kursunterricht vor. Ebenso ist es entscheidend, ob der Sch\u00fcler nur einmalig zu mir kommt oder ob ich andererseits mit einer Gruppe von zehn Sch\u00fclern zehn Doppelstunden mit einer abschlie\u00dfenden Pr\u00fcfung in dem Fach vor mir habe.<\/p>\n<p>Sollten \u2013 unabh\u00e4ngig von einer Gruppe oder einem Einzelunterricht \u2013 die Hausaufgaben der vorherigen Stunde nicht vorbereitet sein, f\u00e4ngt hier oftmals das Problem schon an. \u00dcber Unterricht bei Gary Chaffee (Lehrer u.a. von Vinnie Colaiuta oder Steve Smith) habe ich mir sagen lassen, dass er den Unterricht in diesem Fall genau an dieser Stelle abbricht und den Sch\u00fcler wieder nach Hause schickt; ein interessantes und f\u00fcr den Sch\u00fcler teures Unterfangen. Ich bem\u00fche mich nat\u00fcrlich heraus zu finden, was das Problem ist; abgesehen von h\u00f6herer Gewalt (Krankheit, Schicksalsschlag in der Familie, etc.) oder schier Faulheit des Sch\u00fclers, kann der Grund auch in einer Frustration des Sch\u00fclers liegen, da ich als Lehrer die Aufgabe nicht deutlich gemacht und den Sch\u00fcler damit \u00fcberfordert habe. In jedem Fall besteht Kl\u00e4rungsbedarf und meinerseits noch einmal die klare Aussage meinerseits, dass der Sch\u00fcler im Grunde meiner Aufgabenstellung vertrauen kann und nicht Angst davor haben soll, seinen eigenen Anspr\u00fcchen nicht zu gen\u00fcgen. Denn hier liegt oft der Kern des Problems.<\/p>\n<p>Ich gehe selbstverst\u00e4ndlich nach der Kl\u00e4rung und Wiederholung der Hausaufgaben in den dritten Teil der Stunde: neuer Stoff \u2013 aufbauend auf dem bereits behandeltem Material. Im Kursunterricht versuche ich hier immer den \u201eSpagat\u201c, den vermeintlich schw\u00e4chsten Sch\u00fcler der Gruppe nicht zu verlieren und den St\u00e4rksten nicht zu langweilen. Dies h\u00e4ngt aber nicht zuletzt auch von der Grundeinstellung des Sch\u00fclers ab \u2013 dem ich von Anfang an zu verstehen gebe, dass es sowohl immer etwas zu lernen gibt als auch die Angst vor dem eigenen Versagen nicht Oberhand gewinnen soll. Gerne hole ich in der Gruppe Sch\u00fcler nach vorne um das neue Material \u201eanzufassen\u201c \u2013 dass hei\u00dft, wie spielen zusammen, langsam \u2013 eventuell nur die Essenz (beispielsweise den neuen Groove ohne Ghost Notes) \u2013 ich verdeutliche dem Sch\u00fcler, dass er den Rhythmus singen und damit aus sich heraus verstehen muss \u2013 oder aber ich lasse komplexere Abl\u00e4ufe an verschiedenen Rhythmusinstrumenten spielen. Bestens geeignet \u2013 und daher favorisiere ich Gruppenunterricht &#8211; sind hier Rhythmen aus Brasilien oder Kuba; hier kann beispielsweise der etwas zur\u00fcckgenommene Sch\u00fcler einen leichten Conga oder Clave Part \u00fcbernehmen und daraus Kraft sch\u00f6pfen, dass er Teil des Ganzen ist. Nat\u00fcrlich ist w\u00e4hrend des Unterrichtes aus dem Vollen zu sch\u00f6pfen: um dem haptischem, dem skriptischem, dem auditiven oder visuellen Lerntyp gerecht zu werden, sollte ich die Tafel (sinnvoll) benutzen, H\u00f6rspiele von einer CD vorspielen, selbst vorspielen, gegebenenfalls den Sch\u00fcler den Rhythmus aufschreiben lassen, wenn m\u00f6glich keine Video Clips zeigen und in jedem Fall spielen lassen. Es gibt so viele inspirierende M\u00f6glichkeiten, den Stoff zu vermitteln, dass es keinen Grund gibt, dies nicht jedem Wissbegierigem mit auf den Weg zu geben.<\/p>\n<p>Bei Einzelunterricht verh\u00e4lt es sich im Grunde nicht anders als im Kursunterricht, wobei ich einerseits nicht die Gruppendynamik nutzen, anderseits dem Sch\u00fcler aber meine 100%tige Aufmerksamkeit schenken kann. Der Sch\u00fcler hat in dieser Form des Frontalunterrichts aber auch weniger M\u00f6glichkeiten sich zu verstecken und die vermeintlichen Schw\u00e4chen werden klar ersichtlich; es kann aber auch noch spezifischer und durch stete Wiederholung einer problematischen Passage noch tiefer in die Materie eingedrungen werden um dem Sch\u00fcler letztlich die T\u00fcren zu \u00f6ffnen. Viele Unterrichtsstunden haben ich schon damit verbracht, nur mit dem Sch\u00fcler zu sprechen; oftmals \u2013 sofern der Sch\u00fcler dazu bereit ist \u2013 k\u00f6nnen unter vier Augen ganz andere Dinge besprochen werden, die beispielsweise im Format einer Gruppe zu pers\u00f6nlich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Gegen Ende der Stunde muss klar aufgef\u00fchrt werden, was die Hausaufgaben sind und dass ich als Lehrer erwarte, das diese Aufgaben auch bis zur folgenden Stunde erledigt werden m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich spielt hier eine Rolle, ob es sich bei dem Sch\u00fcler um einen jungen Studenten handelt, der die professionelle Laufbahn und ein fortf\u00fchrenden Studium auf einer Hochschule anstrebt oder ob es sich um einen interessierten Laien handelt, der neben einer Familie noch einen Full-Time-Job zu bew\u00e4ltigen hat. Bei dem professionell Ambitionierten bin ich naturgem\u00e4\u00df eher ungn\u00e4dig, insbesondere wenn ich sp\u00fcre, dass der wirkliche Wille fehlt oder aus fadenscheinigen Gr\u00fcnden wiederholt der Unterricht mangels Vorbereitung ins Stocken ger\u00e4t. Ich bem\u00fche mich zwar in einem solchen Fall anfangs gerne um Problembew\u00e4ltigung \u2013 leiste auch gerne bis zu einem gewissen Grad \u00dcberzeugungsarbeit; wenn ich aber nachhaltig keine Bereitschaft seitens des Studenten erkenne die Arbeitseinstellung zu \u00e4ndern, kann und werde auch ich nicht helfen.<\/p>\n<p>Am Ende einer Stunde in eine Gruppe versuche ich stets klar zu stellen, welche der \u00dcbungen und Variationen wesentlich und f\u00fcr alle Sch\u00fcler zu erarbeiten und welche davon nur f\u00fcr die Sch\u00fcler zus\u00e4tzlich zu erlernen sind, die mehr Stoff brauchen oder von denen dies auch aufgrund ihrer Vorkenntnisse zu erwarten ist.<\/p>\n<p>Es gibt einige Grundregeln der menschlichen Umgangsformen, die ich auch im Unterricht beachte: so versuche ich zum Beispiel dem Sch\u00fcler physisch nicht zu nahe zu treten \u2013 oder frage in Ausnahmef\u00e4llen, ob ich beispielsweise die \u201eHand richten\u201c darf. Eine andere Ausnahme die \u201eAura\u201c der Sch\u00fclers zu durchbrechen, wende ich gerne dann an, wenn ich den Sch\u00fcler \u00fcberraschen will, indem ich ihm zum Beispiel w\u00e4hrend des Spielens \u00fcberraschend gegen seinen Ellbogen dr\u00fccke um darzustellen, dass er oder sie sich hier zu sehr anspannt. Des weiteren bem\u00fche ich mich, klar und deutlich in einer angemessenen Lautst\u00e4rke zu sprechen, den Sch\u00fcler anzuschauen, ihm auch zuzuh\u00f6ren und aussprechen zu lassen. Leider bin ich hierdurch auch nicht mehr der Meinung, dass es keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten gibt \u2013 es gibt leider eine Menge dumme Fragen nicht zuletzt daher, dass die Leute nicht richtig zuh\u00f6ren oder einfach fragen um des Fragens Willen.<\/p>\n<p>Ich bem\u00fche mich darum, nicht nur Frontalunterricht zu geben; das hei\u00dft, dass ich mich im Klassenraum bewege, mich auch w\u00e4hrend ein Sch\u00fcler eine \u00dcbung vorspielt in die Reihen der anderen Sch\u00fcler setze; ich gehe durch den Raum auch um den Sound des Schlagzeuges anders wahrzunehmen, ich setze mich auf einen Hocker vor die Klasse, stelle mich vor die Klasse, stehe an der Tafel und lasse auch die Sch\u00fcler an die Tafel kommen. Abgesehen davon, muss ich f\u00fcr genug Sauerstoff sorgen, indem ich die Fenster \u00f6ffne oder\u00a0 &#8211; sofern ich feststelle, dass sich eine gewisse M\u00fcdigkeit breit macht \u2013 lege Pausen in angemessener L\u00e4nge ein und lasse somit die Sch\u00fcler eine wenig aufstehen und verschnaufen. Nicht zuletzt hei\u00dft es so sch\u00f6n, dass der Ton die Musik macht \u2013 ich versuche mit Humor und einem gewissen Augenzwinkern einen Kurs zu leiten. Es geht auch darum die Relativit\u00e4t dessen darzustellen, was wir in diesem Moment gemeinsam erleben d\u00fcrfen. Man muss sich nur die Nachrichten anschauen, um zu sehen, in welch privilegierter Position wir uns befinden, in dem wir unserer Passion, dem Schlagzeugspielen, nachgehen d\u00fcrfen. Bei allem Respekt vor der Sache und bei aller Gewissenhaftigkeit, die ein Musikstudium mit sich bringen muss, so sollten wir doch locker bleiben und den Spa\u00df an der Sache nicht verlieren.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be sicher noch vieles zum Thema Unterricht zu sagen, dies w\u00fcrde aber den Rahmen meines Artikels in diesem Forum sprengen!<\/p>\n<p>Zuletzt sei gesagt, dass auch wir Lehrer \u2013 genau wie unsere Sch\u00fcler \u2013 gute und schlechte Tage oder Phasen haben und dies auch meines Erachtens im angemessenen Ma\u00dfe kommunizieren k\u00f6nnen. Manchmal kann man hieraus sogar Kraft und Energie sch\u00f6pfen und dem Sch\u00fcler ein Vorbild sein.<\/p>\n<p id=\"buchen\"><strong>6. Kann man mich als &#8222;Mentor&#8220; buchen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0Nimmt man den Begriff &#8222;Mentor&#8220; im griechischen Sinne der Antike, w\u00fcrde ich mich zwar nicht gerade als wohlgesinnte G\u00f6ttin Athene bezeichnen, die dem Sohn Odysseus, Telemachos, von Zeit zu Zeit Ratschl\u00e4ge gibt &#8211; wohl aber als wohlgesinnter Drum Coach &#8211; so w\u00fcrde man wohl heute sagen &#8211; der von Zeit zu Zeit den Status Quo eines Sch\u00fclers begutachtet und Tipps gibt.<\/p>\n<p>Durch meine jahrelange Erfahrung sowohl als Dozent und Schulleiter, als auch durch meine Musikert\u00e4tigkeit, glaube ich schon \u00fcber genug \u00dcberblick und Feingef\u00fchl zu verf\u00fcgen, einen Lernenden auf seinem Weg zu begleiten. Dies muss nicht in Form von w\u00f6chentlichem Unterricht stattfinden, wohl aber beispielsweise in einem halbj\u00e4hrlichen Turnus; denkbar ist auch eine Art &#8222;Check Up&#8220;, den ich bei den Auditions zu unseren Studieng\u00e4ngen mit Studenten vornehme. Hier versuche ich den Sch\u00fcler nat\u00fcrlich zun\u00e4chst durch ein Gespr\u00e4ch ein wenig kennen zu lernen, gehe dann aber relativ schnell in die Praxis \u00fcber. Ich spiele mit dem Sch\u00fcler verschiedene Rhythmen und Stilistiken an, spreche \u00fcber Sound, Balance, bespreche verschiedene Stile, achte und erl\u00e4utere Hand- und Fu\u00dftechnik und \u00fcberpr\u00fcfe zuletzt das Notenlesen. Auf diesem Wege helfe ich dem Sch\u00fcler seine Schw\u00e4chen und St\u00e4rken klarer zu benennen und gebe ihm Tipps f\u00fcr ein gezieltes \u00dcbungsprofil. F\u00fcr derartiges Mentoring und stichpunktartiges Tutoring stehe ich in Form von Einzelunterricht gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<div><\/div>\n<div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin: 5px 0; float: none; height: 100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vielen Jahren leite ich am Drummers Institute den Kurs &#8222;open class&#8220;. In diesem Forum beleuchte ich die verschiedensten Askpekte des musikalischen Schaffens, die nicht unmittelbar mit der Ausf\u00fchrung des Instrumentes zu tun haben. 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